Australien 2002


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Im Sommer 2002 war es soweit. Die Ulmer Knabenmusik machte sich auf den Weg, die letzten Winkel des Globusses unsicher zu machen. Das erklärte Ziel war Australien. Das Land in dem
die Kängurus wohnen, die Surfer am Bondi Beach ihr Paradies finden und eben jenes Land mit der eindrucksvollen Oper im Herzen Sydneys. Uns konnte im Voraus nicht bewusst sein, wie intensiv wir die eben noch so fremden Vorstellungen erleben sollten.

Freilich wurden unsere kühnsten Erwartungen übertroffen, als wir den hüpfenden Känguruhs, mit Fotoapparat und Videokamera bewaffnet, nachjagten. Oder als wir frühmorgens den schauspielartigen Sonnenaufgang und die Surfer am Bondi Beach von einer Klippe hautnah miterleben konnten. Aber auf keinen Fall konnten wir ahnen, was es bedeuten würde, einmal auf der Bühne des Sydney Opera House zu stehen, und vor knapp 3000 Zuhörern zu konzertieren.
Aber von Anfang an. Vergangenen Sommer machten wir uns, 60 Musiker, unser Dirigent Josef Christ sowie einige Reisekoordinatoren auf den Weg ins ferne Australien. Unsere Konzerttournee sollte drei Wochen dauern mit Stationen in Geelong, Mount Beauty, Canberra, Sydney, Lismore sowie Brisbane.

Bevor wir unsere mit Spannung erwartete Konzertreise allerdings beginnen konnten, mussten zunächst 23 Stunden Flug mit Zwischenstop in Singapur hinter uns gebracht werden, was für die meisten von uns schon die erste neue Erfahrung bedeutete.

Nach unserer Ankunft in Melbourne war die erste Station unserer Tournee Geelong an der Südküste Australiens.

Wie bei den meisten unserer Aufenthalte waren wir hier in Gastfamilien untergebracht, die immer bemüht waren, uns ihr Heimatland nahe zu bringen und uns unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Unser Auftaktkonzert fand in der Costa Hall statt, einem etwa 1000 Zuhörer fassenden Konzertsaal. Zusammen mit Schulorchestern u.a. des Christian College Geelong und der Geelong Concert Band konnten wir hier ein tolles Konzert geben, welches auch vom zahlreich erschienen Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Unsere zweite Station war Mount Beauty, ein kleines verschlafenes Städtchen in den südlichen Ausläufern der Great Dividing Range, einem Gebirgszug an der Ostküste Australiens.

Zunächst mussten allerdings 7 Stunden Fahrt in unseren Bussen bewältigt werden, in denen wir im Laufe unserer Reise noch so einige Kilometer absitzen würden. Dort angekommen staunten wir trotz einhelliger Warnungen nicht schlecht, als wir uns im südlichen Australien einer recht steifen und kühlen Brise ausgesetzt sahen und uns der gewohnte Ausblick auf die endlosen Weiten des australischen Outback durch schneebedeckte Berggipfel verwehrt wurde. Wir wurden mit einer völlig fremden Seite des uns bekannten „Oz“ (im Jargon für Australien) konfrontiert. Trotz der ungewohnten Eindrücke wurden wir hier mit einem typisch australischen Barbeque begrüßt, welches wir in den folgenden zwei Wochen noch öfters miterleben durften.

Auf dem Freizeitprogramm in Mount Beauty stand ein Besuch im Fauna Park, um Beweisfotos von Kängurus und Koalas zu schießen oder dem ein oder anderen Wallaby die Nase zu streicheln. Eine ebenso willkommene Abwechslung war der Besuch einer Gokartbahn, deren Inhaber zufällig einer der Gastväter war, und bei der sich alle UKMler einschließlich unseres Dirigenten richtig austoben konnten.
Am darauf folgenden Tag stand ein Schulbesuch, ein Workshop mit dem Komponisten James Brownley aus Melbourne sowie das gemeinsame Abschlusskonzert mit der Mount Beauty Schools Band im ortseigenen Community Centre auf dem Programm.

Mit großen Erwartungen ging es am folgenden Tag in die erste große Stadt auf dem fünften Kontinent. Canberra war das diesmalige Ziel einer wiederum siebenstündigen Fahrt. Bei dieser Station war die Besichtigung des bekannten Parliament House natürlich Pflicht. Weitere Sehenswürdigkeiten wie den Aussichtspunkt Mt. Ainslie, das National Museum oder das Botschaftsviertel haben wir natürlich ebenso besucht. Aber auch hier galt das Motto „Keine Station ohne auch ein Konzert zu spielen“. Diesmal war der Ort des Geschehens die Aula des St. Edmunds College. Gemeinsam mit der Canberra Youth Music Wind Symphony der St. Edmund College Band konnten wir auch hier unsere Zuhörer mit unserer Musik begeistern. Höhepunkt des Konzertes war die Aufführung von Alfred Reeds „Praise Jerusalem“, bei der wir von einem Fernorchester unseres Partnerorchesters unterstützt wurden. Im Anschluss wurden alle Beteiligten mit Pizzen vom dortigen Pizzaservice belohnt, der sichtlich damit zu kämpfen hatte, weit über 100 Musiker gleichzeitig zu versorgen.

Langsam aber sicher ging es nun auf den absoluten Höhepunkt unserer Konzertreise zu. Der erste Programmpunkt nach unserer Ankunft in der in jeglicher Hinsicht faszinierenden Metropole Sydney war der Besuch der North Sydney Girls High School. Nach einem schmackhaften Barbeque und ungezählten neuen Bekanntschaften lieferten wir auch hier unseren Beitrag zum kulturellen Austausch in Form eines Konzerts und eines Workshops ab und verabschiedeten uns von den trauernden Mädels der NSG High School mit einem wehmütigen Blick zurück.

Der erste Tag unseres Aufenthaltes in Sydney war mit Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und Freizeit mehr als ausgefüllt. Eine Führung durch das Sydney Opera House, eine Schiffsfahrt nach Darling Harbour sowie der Besuch des Marinemuseums ist für jeden Australienreisenden ein absolutes Muss – so auch für uns. Der Rest des Tages war zur freien Verfügung, was bei allen große Freude auslöste. Von einer nächtlichen Monorailfahrt über einen Restaurantbesuch im alten Stadtkern „The Rocks“ bis zu der Sonnenuntergangsbeschauung von einer der vier Pylonen der Sydney Harbour Bridge war alles vertreten.

Der folgende Tag stand wieder ganz im Zeichen der Musik. Morgens hatten wir eine kurze Probenmöglichkeit im Sydney Opera House, in dem wir wenige Stunden später am frühen Abend konzertieren würden. Schon in voller Montur mit Instrumenten und in Einheitskleidung ging es zum Fototermin. Unzählige Aufnahmen in allen denkbaren Positionen vor dem Opera House und der Harbour Bridge sollten uns eine ewige Erinnerung an diese unvergleichliche Konzertreise bescheren. Kaum geschehen stand der nächste Konzerttermin, ein Lunch-Konzert in der St. Andrews Cathedral, einer eindrucksvollen Kirche im Zentrum Sydneys direkt neben dem dortigem Rathaus, auf dem Programm.

Zusammen mit der New South Wales Police Band unter Leitung von David Worrall gestalteten wir ein gemeinsames Kirchenkonzert.

Im Anschluss daran ging es endlich an die Vorbereitungen für das Highlight unserer Tournee, dem jeder von uns erwartungsvoll entgegenfieberte. Ein letztes Mal wurde die Einheitskleidung gecheckt, die Instrumente poliert und die Noten innerlich noch mal durchgegangen (die UKM wäre allerdings nicht die UKM, wenn nicht einer unserer Routiniers wenige Sekunden vor dem Auftritt seine Einheitshose im abseits geparkten Reisebus wusste!). Unser Aufführungswerk für diesen Anlass sollte „Global Variations“ von Nigel Hess sein. In dem großen Moment, als wir auf die Bühne traten, gewannen wir Eindrücke, die absolut einmalig waren, und auch bleiben werden. Umringt von den Zuhörern im ausverkauften Opernhaus, die kreisförmig um die zentral gelegene Bühne sitzen, die völlige Dunkelheit im Saal, nur gestört durch die zielgerichteten Scheinwerfer, die die Bühne zu einer Lichterinsel inmitten des gigantischen Konzertsaals werden ließen, und die spannungsgeladene, geradezu zeremoniell anmutende Stille, als unser Dirigent Josef Christ den Taktstock hob, weckten in uns Emotionen, die zweifellos das Höchste der Gefühle im Leben eines Musikers bedeuten. So lange wir auf diesen Moment des Triumphs gewartet haben, so schnell war er dann auch schnell wieder vorübergezogen.
Dennoch war dieser Auftritt für alle Beteiligten ein Erlebnis, das seinesgleichen sucht.

Nach diesem anstrengenden- aber höchst erfolgreichen Tag kehrten wir zu unserer Jugendherberge in Bondi Beach zurück und durften den großartigen Abschluss unseres Sydneyaufenthalts in UKM-Manier gebührend feiern.

Unsere vorletzte Station in Australien war Lismore, ein kleines Städtchen zwischen Sydney und Brisbane, nahe dem legendären Byron Bay, dem Mekka für alle Surfbegeisterten und Rucksacktouristen. Bis zu unserer Ankunft dort mussten wir allerdings noch einen kompletten Busreisetag hinter uns bringen, um die enormen Entfernungen in den schier endlosen Weiten des australischen Kontinents zu überbrücken. Wir wurden am nächsten Tag für unsere Geduld belohnt, als wir einen Ausflug zum Leuchtturm am östlichsten Punkt des fünften Kontinents unternahmen. Eine Delfin-Show sowie ein erstes Plantschen im Pazifischen Ozean waren die Strapazen allenfalls wert.
Beim darauffolgenden Besuch im „Haus ohne Stufen“, einer Farm, auf der Behinderte wohnen, arbeiten und betreut werden, verbrachten wir unseren freien Nachmittag und konnten den Alltag auf dieser von Spendengeldern finanzierten Einrichtung miterleben. Abgerundet wurde unsere Visite dort mit einem gemeinsamen Barbeque und einem Fußball-… ähm… besser: Rugbyspiel, in dem es wunderlicherweise außer einer mittelschweren Fußverletzung in unseren eigenen Reihen und mehreren Prellungen keine schwereren Verluste zu beklagen gab.

Am Abend gaben wir zu Gunsten der oben genannten Einrichtung ein Wohltätigkeitskonzert im Worker’s Club in Lismore.

Mit der Tour zu unserem letzten Aufenthalt in Brisbane begaben wir uns nun endgültig in nördlichere Gefilde des eigentlich verhältnismäßig kleinen Kontinents, und damit zunächst einmal an die meilenweiten Badestrände von Surfers Paradise. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, als von unseren Betreuern das OK kam und wir uns in die warmen Fluten des Pazifiks stürzen konnten. Nach dieser Sause, bei der niemand trocken blieb (auch nicht die Unwilligen), vergingen die letzten Stunden Busreise wie im Flug. In Brisbane, der Sonnenstadt Australiens angekommen, brachen nun die letzten Tage unserer fantastischen Konzertreise an.

Auf dem Programm stand der Besuch eines Konzerts der Queensland Youth Symphony, dem Auswahlsinfonieorchester des Staates Queensland, zu dem der Ulmer Knabenmusik freier Eintritt gewährt wurde. Außerdem nahmen wir an einem Orchesterworkshop sowie dem gemeinsamen Abschlusskonzert mit der hervorragenden 80-köpfigen Queensland Youth Wind Symphony unter Leitung von Peter Francis in der „Old Museum Concert Hall“ im Zentrum Brisbanes teil. Auch bei diesem Abschlusskonzert auf australischem Boden zeigten die UKMler und ihr Dirigent Josef Christ noch mal ihr volles Können und wurden mit viel Applaus verabschiedet.

Endgültig Abschied genommen wurde dann am nächsten Morgen bei unserer Abfahrt. Aufgrund der vielen Zeit, die wir in Brisbane mit unseren Gastfamilien verbringen konnten und der Tatsache, dass dieser Abschied etwas Endgültigeres hatte als alle vorangegangenen auf unserer Tournee, wurden hier Umarmungen und Küsschen in selbst für die UKM ungewohnten Mengen verteilt.
Bevor es allerdings zum Flughafen ging, stand noch ein Besuch im Vergnügungspark Seaworld an, um alle auf die wiederum 23 Stunden Rückflug vorzubereiten. Mit teilweise bis zu 20 Achterbahnfahrten inklusive doppelter Loopings und Korkenzieher fliegt es sich doch wesentlich unbeschwerter zurück, oder etwa nicht?

Der Empfang am Ulmer Marktplatz durch die mit Transparenten und Wunderkerzen sehnsüchtig wartenden Eltern rundeten diese für alle Beteiligten ewig in Erinnerung bleibende Konzertreise durch den fünften Kontinent vollends ab.


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