Presseberichte 2016


Hier singt und spielt der Stolz der Stadt

Foto: Roland Mayer | Neu-Ulmer Zeitung

Weihnachtskonzert Spatzen-Chor und Junge Bläserphilharmonie stimmen gemeinsam auf das Fest ein und haben dabei Überraschendes im Repertoire

Adventsstimmung und Familienfest, Klein und Groß, Talentschuppen und Hochkaräter: Wer dabei ins Schwelgen gerät, ist beim gemeinsamen Weihnachtskonzert des Ulmer Spatzen-Chors und der Jungen Bläserphilharmonie Ulm nicht allein gewesen.

Denn für den guten Zweck war die Pauluskirche gleich zweimal bis unter die Empore rappelvoll.
Im traditionellen Schulterschluss formten die beiden Ulmer Vorzeige-Ensembles Hänsel und Gretels „Abendsegen“ aus Humperdincks Märchenoper zum gefühlvollen Konzertausklang, der fürs Publikum noch schöner beim Mitsingen wurde („O du fröhliche“).
Nach dem sonoren Auftaktsignal der „Carol Fantasy“ im John Iveson-Arrangement durch Fanfaren aus turmhoher Arkadenhöhe zeigten Hans de Gildes schwarz-weiß gekleidete Youngsters entzückende Singspiel-Freude. Mit zeitgenössischen Weihnachtsliedern wie der Schneesturm- und Santa-Klaus Kindheitserinnerung „Was braust er schön“ des estnischen Neutöners Arvo Pärt klopfte der Kinderchor bereits an höheren Weihen, die der rotschwarz gewandete, von Harfenistin Juliane Horvath exzellent unterstützte Jugendchor bereits hochkarätig zelebrierte.
Nach zwei filigran gesungenen Liedern des Londoner postmodernen John Rutter erzeugte jugendliche Klangkultur Gänsehautfeeling: Beim emphatischen „Carol of the Bells“ des Ukrainischers Mykola Leontovych (im Satz von Andreas Weil) und den Roland-Assion-Transformationen von „Stille Nacht“. Und Bob Chilcotts „Gloria“ geriet durch die Anschub-Choreografie Roberto Scafatis mit der sensiblen Umsicht von Pianistin Barbara Comes zum Gruppendynamischen Füllhorn – vor dem Breitklang der nun an sämtlichen Kirchenschiff-Wänden positionierten drei Spatzenchöre, die auch beim kontemplativen „Ubi caritas“ des Isländers Hreidar Ingi Thorsteinsson zum prickelnden Miteinander fanden.
Setzte Josef Christs Nachwuchsorchester nach dem durchs „Jingle Bells“-Motiv aufgepäppelten Pachelbel „Christmas“-Kanon mit einem Reigen von „Oh Tannenbaum“ bis „Stille Nacht“ noch voll auf die weihnachtliche Schatztruhe, baute sich alsbald filmmusikalisches Großformat auf. Neben Alan Silvestris plastisch gespielter Konzertsuite aus dem „Polarexpress“ schüttelte das Große Orchester auch noch ein barockes Tryptichon im Halleluja“-Arrangement Robert von Beringens aus dem Handgelenk, bevor die Große Oper bereits den 24. Dezember einläutete: Puccinis Christmas-Szene aus dem zweiten Akt von „La Bohème“,wo die Romanze von Mimi und Rodolfo im ausgelassenen Weihnachtstrubel des Quartier-Latin-Cafés „Momus“ aufblüht, war das bläserkonzertante Highlight dieses Vollblut-Abends in der Adventszeit.

Quelle: Neu-Ulmer Zeitung
Autor: Roland Mayer
Datum: 14.12.2016


Die Weihnachtskonzerte der Jungenbläserphilharmonie Ulm und dem Ulmer Spatzenchor – zugunsten der Aktion 100.000 waren wieder ein voller Erfolg

Foto: JBU – Ralf Hinz

Margherita, Schinken, Salami und zweimal „Abendsegen“. Pizza war am Sonntag gefragt, quadratmeterweise. Und natürlich das musikalische Gefühl. Das Weihnachtskonzert der Ulmer Spatzen und der Jungen Bläserphilharmonie (JBU) gehört zu den beglückenden Höhepunkten in der Adventszeit, aber Hochachtung durften die Zuhörer allein schon mal dem Einsatz der 300 jungen Sänger und In­strumentalisten zollen und den souveränen Dirigenten. Zwei Zwei-Stunden-Konzerte hintereinander boten sie in der Pauluskirche, um zwei und um fünf. Sehr professionell, besser gesagt: Ein Profi würde das kaum durchziehen wollen mit nur kurzer Pause.

Die Pizza zwischendurch half, auch um fünf war das Riesenensemble top präsent. Nach der „Carol Fantasy“ der JBU von der Altarempore aus waren die Kleinsten vom Vorchor der Spatzen wieder dabei und sangen gewissermaßen strahlend von sich selbst: „Kinder, Kinder, tanzt und singt“. Der Kinderchor war nicht weniger erwartungsvoll fröhlich gestimmt: „Weihnachten klopft an die Türe“.

Begleitet von einem erstklassigen Harfen-Solo (Juliane Horvath) begann der Jugendchor unter Hans de Gilde mit zwei Sätzen aus John Rutters Sammlung „Dancing Day“. Zu „Carol of the Bells“ in einem Satz des Ulmer Kantors Andreas Weil steuerte Sebastian de Gilde den groovigen Bass bei, Barbara Comes war sowieso an diversen Tastenin­strumenten die vorzügliche Begleiterin. Riesenbeifall ernteten die Spatzen mit einem modern klanggeschärften, gedankenvoll ausklingenden „Stille Nacht“ (Roland Assion), um sofort in Bob Chilcotts jazziges „Gloria“ auszubrechen. Schließlich ergreifende Klänge von Kinder- und Jugendchor, die Zuhörer im ganzen Kirchenraum eingemeindend: „Chiara è la notte“ und „Ubi caritas“.

Das Nachwuchsorchester der JBU spielte neobarock Pachelbel‘s Christmas“, zu der auch „Jingle Bells“ gehört, und schob das Medley „Traditional German Christmas“ hinterher. Das Große Orchester stieg mit Lokführer Josef Christ gleich in den „Polar-Express“ ein und düste zum Nordpol, spielte also die prächtige „Concert Suite“ der Filmmusik von Alan Silvestri. Und das Glöckchen, das in diesem Märchen nur hören kann, wer an den Weihnachtsmann glaubt? Klar, haben alle in der Pauluskirche gehört. In Robert van Beringens „A Baroque Triptych“ leuchtete nicht nur der Morgenstern, plötzlich ertönte feierlich Händels „Halleluja“. Und auch Oper fehlte nicht: Endlich mal Giacomo Puccinis in Paris spielende „La Bohème“ wirklich (fast) an Weihnachten: das farbenvoll-turbulente Treiben im Quartier Latin aus dem 2. Akt samt Musettas Walzer, arrangiert vom Japaner Kazuhiro Morita. Riesenjubel.

Was der Radetzky-Marsch in den Neujahrskonzerten dieser Welt bedeutet, das ist ungefähr Humperdincks „Abendsegen“ aus „Hänsel und Gretel“ beim Weihnachtskonzert von Spatzen und JBU: das traditionelle Finale. Ein wunderbares Bild, ein wunderschöner Klang. Und noch ein finales „O du fröhliche“.

Quelle: Südwest Presse Ulm
Autor: Jürgen Kanold
Datum: 12.12.2016


Virtuoses Saxofonspiel

Die Junge Bläserphilharmonie Ulm läuft im Congress Centrum zur Hochform auf. Und einer nutzt den Abend für einen persönlichen Abschied

Saftige Klangpakete in Hochform servierte die Junge Bläserphilharmonie Ulm (JBU) bei ihrem Jahreskonzert im Congress Centrum.

Vorsitzender Michael Leibinger erinnerte in einer knappen Rückschau daran, dass sie Vizemeister des Deutschen Orchesterwettbewerbs Anfang Mai dieses Jahres in Ulm wurden: „Hauchdünn und nicht wahrnehmbar“ war der Abstand zum Titelverteidiger aus dem Münsterland laut Leibinger. Doch dann kam schon die Rom-Reise mit klingendem Spiel bei der Generalaudienz des Papstes vor 50000 Menschen auf dem pfingstlichen Petersplatz.

Und unter Josef Christs einfühlsamem Präzisionsdirigat konnten die preisgekrönten Ulmer Jungbläser ihr Publikum im Einsteinsaal erneut mit ihrem sinfonischen Orchesterapparat, einer spannenden Werkauswahl und nicht zuletzt durch die glockenreine Feinabstimmung ihrer Perkussionen begeistern.

Auch das Nachwuchsorchester war in der poppig getränkten Aufwärmphase mit einem Billy-Joel-Porträt, einem Medley-Karussell aus dem Musical „Mary Poppins“ der Sherman-Brüder sowie einer biegsamen „Pink-Panther“-Präsentation gut aufgestellt.

Dann kamen die satten Klangfarben der Großen im Format von Tondichtungen: Orientalische Märchenhaftigkeit und eine blitzsauber anfugierte wilde Hatz in der „Persis“-Zeitreise des US-Amerikaners James Hosay. Hoch romantisches Einfühlungsvermögen in Rossano Galantes „Einhorn“-Ballade. Und dann natürlich Yagisawas spektakulär aufbrausende „Hymn of the Sun“, wo Meeresbrausen und Sonnenaufgang wie schon beim Bundeswettbewerb plastisch hörbar wurden.

Startete die JBU nach der Pause mit Fliehkraft in die Stimmungsbilder und Musikzitate der programmatisch dampfenden Jules-Verne-Reise („In 80 Tagen um die Welt“) des niederösterreichischen Komponisten Otto M. Schwarz, wurde Earth, Wind & Fire’s „In the Stone“ im Glanz gemeißelter Blechbläsersätze zur hochelastischen Rhythm‘n‘Blues-Nummer.

Kaum waren die Pop-Gelüste in einem fetzigen Deep-Purple-Medley bis zum „Smoke on the Water“ gestillt, löste der familiäre Riesenapplaus und die La-Ola-Welle mit Instrumenten auf der Bühne noch zwei Dreingaben aus: Im „Merry-Go-Round“ warfen sämtliche Sparten ihre Instrumente der Reihe nach in die goldene Waagschale. Und die „Birdland“-Hommage der US-amerikanischen Jazzfusionband Weather Report wurde im Temperaments-Parcours der JBU zum Ohrwurm für den Heimweg.

Doch da war ja noch Saxofonist Dieter Kraus, der im „Saxpack“ von Schwarz das Alt ebenso melodiös und virtuos wie sein Sopran zum Glühen brachte.

Und der noch nicht einmal zwei Jahre in Ulm tätige Musikschulleiter Heinz Gassenmeier nutzte das Jahreskonzert zum persönlichen Abschied von der großen JBU-Familie: „Achten Sie weiter auf solch hervorragende Arbeit unterm Dach der Musikschule – es lohnt sich“, sagte er.

Quelle: Neu-Ulmer Zeitung
Autor: Roland Mayer
Datum: unbekannt


Kino für die Ohren

Dieter Kraus, der im JBU-Vorgänger-Orchester begann, krönt samt Sopransaxophon als Star dessen Jahreskonzert.
Foto: Volkmar Könneke

Der letzte Mai geht bei der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU) in die Annalen ein. Zum einen erspielte sich das Kollektiv den Vizemeister-Titel beim Deutschen Orchesterwettbewerb, der erstmals in Ulm stattfand. Zum anderen trat das Ulmer Vorzeigeorchester, das Josef Christ seit zehn Jahren höchst erfolgreich leitet, auf Konzertreise in Rom auf – vor dem Papst und vor rund 50.000 Menschen auf dem Petersplatz.

Daran erinnert der Vorsitzende Michael Leibinger die „JBU-Familie“ aus mehr als 1000 Besuchern beim Jahreskonzert im CCU, das flott swingend, ebenfalls unter Christs Leitung, das JBU-Nachwuchsorchester eröffnet hatte. Kleine Eintrübungen in „A Billy Joel Portrait“ fallen kaum auf. Von Applaus beflügelt läuft es bei klangsatten Melodien aus dem Mary-Poppins-Musical, das gestern in Stuttgart Deutschlandpremiere hatte, ebenso geschmiert wie im Henry-Mancini-Hit „Pink Panther“ mit tiefem Blech auf leisen Pfoten. Zur Freude des Publikums hat Christ bei der Werkwahl eine glückliche Hand.

Im breiten Spektrum überzeugt auf nahezu professionellem Niveau das Große JBU-Orchester an mehr als 50 Pulten. Dazu herausragende Solisten wie Viktoria Kassel, deren umjubeltes Oboe-Solo in James Hosays orientalisch angehauchtem „Persis“ fasziniert und deren werkkundige Moderation im Wechsel mit Konzertmeisterin Sophia Hüber das Zuhören noch interessanter macht.

Kino für die Ohren bieten Rossano Galantes „Cry Of The Last Unicorn“ zum Tod des letzten Einhorns, das spektakuläre Wettbewerbsstück „Hymn To The Sun“ von Satoshi Yagisawa mit Gesangseinlagen des Orchesters sowie die tonmalerische Klangreise „In 80 Tagen um die Welt“ von Otto M. Schwarz mit trompetenden Elefanten, Indianer-Geheul und Schiffshorn. Nach der Coverversion von Earth, Wind & Fires „In The Stone“ mit funkigen Tieftönern tritt Star-Solist Dieter Kraus auf, der nach ersten Schritten in der Knabenmusik, dem JBU-Vorläufer, längst internationales Terrain erobert hat.

In Schwarz’ „Saxpack“ geht bei dem 44-Jährigen, der auf dem herben Alt- wie auf dem sahnigen Sopransaxophon im heißen Groove virtuos Jazz-Freiräume nutzt, mit dem dynamischen Orchester umjohlt die Post ab. Erst recht nach dem Knaller „Deep-Purple-Medley“, getoppt von zwei Zugaben.

In Show-Manier glänzen die einzelnen Register schließlich stehend in der Karusellfahrt „Merry-Go-Round“. Und Joe Zavinuls „Birdland“ befeuert Drummer Jan Hardegger mit einem starken Drei-Minuten-Solo. Standing Ovations für alle.

Quelle: Südwest-Presse Ulm
Autor: Christa Kanand
Datum: 24.10.2016


JBU-Jahreskonzert mit dem Solisten Dieter Kraus

Sie haben ein ereignisreiches Jahr hinter sich, die Junge Bläserphilharmonie Ulm und der Saxophonist Dieter Kraus. Das Orchester nahm Anfang Mai am deutschen Orchesterwettbewerb teil, belegte dort den zweiten Platz, wurde also deutscher Vizemeister in seiner Klasse. An Pfingsten reiste das Orchester nach Rom, spielte dort bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz vor 50 000 Menschen – und „30 Meter vom Papst entfernt“ wie Dirigent Josef Christ erzählt.

Und jetzt schaut Christ nach vorn auf den nächsten Höhepunkt: Das Jahreskonzert am Samstag im Congress Centrum. Dafür hat der Dirigent einen Solisten gewonnen, der von 1988 bis 1994 selbst mal Mitglied der Ulmer Knabenmusik war, wie die Bläserphilharmonie damals noch hieß: Dieter Kraus. Der ist einer der wenigen Saxophonisten, die auf eine reiche Orchestererfahrung zurückblicken können, wird etwa immer wieder von den Münchner Orchestern gebucht, hat unter Valery Gergiev ebenso wie unter Kirill Petrenko gespielt.

Der Grund dafür ist einfach: „Saxophon ist kein Orchesterinstrument. Ich bin da ein Exot. Aber gleichzeitig wollen die Orchester Musiker, die Orchestererfahrung haben, denen man nicht alles erklären muss, die sich einfügen können in einen solchen Klangapparat.“ Kraus kann das. Und so buchte ihn auch die BBC für ihre jüngste Night of the Proms. Apropos Orchester: Christ und Kraus haben sich einst im Ulmer Orchester kennengelernt, wo Christ als Klarinettist begann.

Doch Kraus ist nicht nur ein gesuchter Mann fürs Tutti, er ist als Solist international unterwegs, führte etwa im Frühjahr mit dem Cairo Symphony Orchestra eine Komposition auf, die ihm der ägyptische Komponist Mohamed Basha gewidmet hat: „Saxawala“. „Als ich die Noten bekommen habe und gehört habe, wie mein Mitsolist auf der ägyptischen Flöte dazu Verzierungen spielt, bin ich erst mal ins Hotel um zu üben“, erzählt Kraus – und um diese doch fremden Klänge ins Ohr zu bekommen.

Damit hat Kraus beim Jahreskonzert der JBU sicher kein Problem. Er ist der Solist von „Saxpack“, einer recht poppig und funky angehauchten Komposition des Österreichers Otto M. Schwarz. Und mit Pop und Funk kennt sich Kraus mindestens so gut aus wie mit Klassik. Er wird auch einige Passagen des Neun-Minüters frei improvisieren.

Recht poppig wird auch das Nachwuchsorchester an diesem Samstag aufspielen: Songs von Billy Joel, ein Medley aus dem Musical „Mary Poppins“ und Mancinis „Pink Panther“ sind zu hören. Das Große Orchester wird unter anderem auch „Hymn To The Sun“ spielen, mit dem die Musiker beim Orchesterwettbewerb so erfolgreich waren.

Quelle: Südwestpresse Ulm
Autor: Helmut Pusch
Datum: 20.10.2016


Supergeil hier, ungläubig da

Reaktionen der Orchesterwettbewerbs-Gewinner

Anspannung, Jubel, Hin- und Hergerissenheit: Reaktionen der beim Orchesterwettbewerb ausgezeichneten Teilnehmer aus Blaustein und Ulm.

„Das haben wir echt gut gemacht.“ Damit hat Jens Hiller am Dienstag auf dem Ulmer Marktplatz dann doch leicht untertrieben: Der 18-jährige Saxophonist der Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein muss erst mal verarbeiten, dass sich das Orchester unter Leitung von Manuel Epli tatsächlich den Titel „deutscher Meister“ in der Kategorie „Blasorchester Erwachsene“ geholt hat. Dabei hatte sich die 70-köpfige Bläserphilharmonie zum allerersten Mal überhaupt für den Bundesentscheid qualifiziert. Ein paar Minuten, nachdem das Ergebnis bekannt gegeben ist, wird den Herrlingern dann bewusst, was sie mit ihrem Auftritt am Montagvormittag im Edwin-Scharff-Haus erreicht haben: „Wir sind das beste Orchester Deutschlands.“ „Supergeil.“ „Fantastisch.“ „Ein Hammer.“

Auch Dirigent Manuel Epli grinst von einer Backe zur anderen. „Wir haben hart dafür gearbeitet. Und wir wissen, was wir können“, sagt der 33-Jährige. Aber natürlich seien auch die anderen Orchester im Wettbewerb sehr gut gewesen. „Ich habe nach unserem Auftritt ein gutes Gefühl gehabt“, sagt Epli. Dass es mit 24,6 von 25 möglichen Punkten dann tatsächlich zum Titel gereicht hat, freue ihn natürlich riesig.

Epli hat für die Bekanntgabe der Ergebnisse am Dienstagvormittag eine „Dienstbefreiung“ beantragt. Nach vielen Gratulationen, viel Jubel und vielen Umarmungen aber muss der Mathe- und Informatiklehrer an der Friedrich-List-Schule wieder zurück in den Unterricht. „Ich hab‘ noch vier Stunden.“ Feiern müssen die Musikerinnen und Musiker im Alter von 14 bis 67 Jahren daher ohne ihren Dirigenten – dafür mit Grillspaß und ein paar Gläschen Sekt beim Musikerheim in Herrlingen. Wobei – gefeiert haben die Herrlinger bereits am Vorabend, ebenfalls im Musikerheim. Und vor allem einigen der jungen Musiker ist durchaus anzusehen, dass das eine ordentliche Party gewesen sein muss: müde Augen, blasse Gesichter. „Wir haben echt gedacht, dass wir den dritten Platz machen“, erzählt Rita Sommer, Vorsitzende der Bläserphilharmonie. Und selbst darüber hätten sich alle irre gefreut, entsprechend gut sei die Stimmung bei der Feier gewesen. Dass das Orchester dann tatsächlich als bestes aus dem Bundesentscheid hervorging, „ist superstark“, sagt Sommer bereits heiser vom Jubeln: „Das hätte ich nie gedacht.“

Ein paar Meter neben den Blausteinern: Wechselbäder der Gefühle. Dort haben sich auf dem Marktplatz die Musikerinnen und Musiker der Jungen Bläserphilharmonie mannschaftsstark um ihren Dirigenten Josef Christ geschart. Als klar ist, dass sie mit 23,4 Punkten ein Ergebnis der ersten Klasse erzielt haben, aber eben wie schon 2012 in Hildesheim hinter den alten Rivalen aus Havixbeck (Nordrhein-Westfalen) auf dem zweiten Platz gelandet sind, bricht nicht wirkliche Freude aus. „Klar, auch wenn’s vielleicht vermessen klingt: Aber wir hatten doch alle insgeheim gehofft, diesmal in Ulm Erster zu werden“, kommentiert Tubist Felix Vogel, der die Fassung schnell wieder gefunden hat. „Wir waren wirklich sehr gut vorbereitet, haben am Sonntag beim Wettbewerb alles gegeben – und ja auch einen hervorragenden Erfolg errungen. Wenn wir da klagen, dann auf hohem Niveau.“

Das sieht Sophia Hüber nicht anders. Sie ist erste Klarinettistin und Konzertmeisterin der JBU. „Die 23,4 Punkte sind echt sehr gut. Ein bisschen mehr und ganz oben zu stehen, wäre natürlich noch schöner gewesen“, sagt sie. Und tröstet sich: „Vielleicht waren wir ja die Sieger der Herzen.“ Sophia meint damit den am Sonntag im proppenvollen großen Einstein-Saal des Congress Centrums durch das Publikum mit stehendem Beifall begeistert aufgenommenen Wettbewerbsauftritt der JBU. „Dieses grandiose Konzert zählt ja wirklich auch was.“

Nachdem alle Ergebnis verkündet sind, eilen die Verantwortlichen auf Manuel Epli zu, der einst selber der JBU angehört hat. Josef Christ und Michael Leibinger, der JBU-Vorsitzende, gratulieren dem Blausteiner Dirigenten. Der ringt nach der ersten Euphorie ein wenig mit der Fassung. Da wird doch nicht etwa eine Träne verdrückt? Leibinger sagt mit Augenzwinkern: „Ich freue mich für Euch Blausteiner. Ein zweites Super-Orchester in unserer Gegend. Und die Hälfte der Blausteiner kommt ja aus der JBU . . .“

Mit etwas Abstand kommentiert Josef Christ den neuerlich zweiten Platz seines Orchesters im bundesweiten Wettstreit so: „Wir haben die Ulmer Fahnen stark vertreten. Es ist eine Ehre für uns, Preisträger des Deutschen Orchesterwettbewerbs zu sein.“ Mit Leibinger und dem Ulmer Musikschulleiter Heinz Gassenmeier ist sich der musikalische Leiter einig: Zum vierten Mal in Folge habe sich die JBU beim Deutschen Orchesterwettbewerb der Spitzengruppe platziert und dürfe sich nun erneut deutscher Vizemeister nennen. „Darauf sind wir stolz.“ Im Wettbewerb habe sich die JBU „mit Perfektion, wunderbarem Klang und berührendem Ausdruck präsentiert“. Christ: „Mein Dank geht an das grandiose Publikum, das uns sehr beflügelt hat.“ Und Leibinger ergänzt: „Ich bin saumäßig stolz auf unsere JBU. Alle haben an einem Strang gezogen haben und wie die Löwen gekämpft.“

Zusatzinfo:
Preise und Prädikate

Platzierungen Die Platzierung allein ist nicht alles. Auch hinter einem zweiten Platz kann eine erstklassige Leitung stecken. Das machte Dieter Kreidler vom Deutschen Musikrat deutlich, ehe er – bemüht um Spaßigkeit – am Dienstag kurz vor der Mittagsstunde auf dem Marktplatz von der Bühne herunter die Ergebnisse der ersten 9 von 15 Kategorien des Deutschen Orchesterwettbewerbs kundtat (die restlichen acht Wettbewerbe folgen von Donnerstag an). Die Prädikate (Kreidler: „Das sind die Schubladen, in denen ihr steckt“) lauten: teilgenommen (1 bis 10,9 Punkte), teilgenommen mit Erfolg (11 bis 15,9), mit gutem Erfolg (16 bis 20,9), mit sehr gutem Erfolg (21 bis 22,9), mit hervorragendem Erfolg (23 bis 25). Es mag für die Musiker der Jungen Bläserphilharmonie Ulm ein kleiner Trost sein, dass sie mit 23,4 Punkten in ihrer Klasse (Jugendblasorchester) zwar hinter Havixbeck (24 Punkte) gelandet sind, aber mit 23,6 Punkten in der obersten Schublade, also auch eine Spitzenleistung abgeliefert haben. Dritter in dieser Kategorie; Marktoberdorf (23 Punkte). Orchester, die mehr als 23 Punkte erreichen, sind Preisträger.

Weitere Preisträger Bei den Erwachsenen-Blasorchestern ging es mit vier Preisträgern noch enger her. Das zeigt, wie hochklassig die Jury die Leistung der Blausteiner Bläserphilharmonie eingeschätzt hat. Die Blausteiner kamen auf 24,6 Punkte vor Bad Griesbach (24), dem Siegerorchester von 2012 aus Hilgen (23,6) und der Stadtkapelle Wangen (23). Weitere Preisträger: Junge Kammerphilharmonie Rhein Neckar (25 Punkte), Jugendkammerorchester Violonissimo (24,8), Puchheimer Jugendkammerorchester (24,6), Jugendkammerorchester Münster (24,2), Orchester Helmholtz-Gymnasium Karlsruhe (23,6), Gitarrenensemble Con Fermezza (23,6), Gitarrenensemble Rheine (23,6), Bielefelder Gitarrenensemble (23,4), Cantomano (23), Jugendgitarrenensemble Erfurt (23), Posaunenchor St. Markus München (23,3), Bläser Christuskirche Herford (23), Akkordeonorchester Untergrombach (25), Dürener Akkordeonorchester (23), Jugendakkordeonorchester Cottbus (23,8).

Quelle: Südwest Presse Ulm
Autor: Helga Mäckle
Datum: 04.05.2016


Großer Jubel, kleine Enttäuschung

Die Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein holt beim Deutschen Orchesterwettbewerb einen sensationellen ersten Platz. Der JBU hingegen fehlen in ihrer Kategorie 0,6 Punkte zum Sieg.

Dirigent Manuel Epli, der das Ensemble seit mittlerweile zwölf Jahren betreut, kann den Erfolg kaum fassen. „Es war ein langer Weg dorthin“, sagt er nicht ohne Stolz – schließlich sind „seine“ Blausteiner jetzt offiziell das beste Amateur-Blasorchester Deutschlands. Trotz des starken Auftritts beim Wertungsspiel ist der Sieg für Epli eine Überraschung: „Wir sind zum ersten Mal dabei, damit rechnet man nicht.“ Diese Bescheidenheit hat Folgen: Die Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein muss das das Preisträgerkonzert sausen lassen – Epli hat seine Musiker schon in den Urlaub entlassen. Die Dagebliebenen feiern dafür umso mehr. So wie Bassklarinettist Jens Schmitz, der die Stimmung in zwei Wörtern zusammenfasst: „Voll geil.“

Beinahe hätte es sogar zu einem Blasorchester-Doppelsieg gereicht. Denn die Junge Bläserphilharmonie Ulm (JBU) hat den ersten Platz nur knapp verpasst. Die ebenfalls hervorragende Wertung von 23,4 Punkten in der Kategorie Jugend-Blasorchester löst bei den jungen Musikern noch ein paar Freudenschreie aus, doch kurz darauf folgt schon der Dämpfer: Das als Titelverteidiger angereiste Jugendorchester aus Havixbeck im Münsterland hat beim Vorspiel mit einer Wertung von 24,0 noch besser abgeschnitten. Entsprechend lang sind die Gesichter. Auch beim 16-jährigen Trompeter Steffen Griesinger. Doch er sieht das Positive: „Ich finde, dass wir richtig gut gespielt haben.“ So sieht es auch Dirigent Josef Christ, der die Erfahrung kennt: Schon 2012 in Hildesheim belegte die JBU den zweiten Platz – hinter Havixbeck. „Natürlich ist man zuerst enttäuscht, aber Platz zwei ist eine tolle Leistung.“ Ein Trost ist die hervorragende Wertung: Beim Heimspiel holte die JBU 1,1 Punkte mehr als in Hildesheim. Das Orchester, so Christ, habe sich weiter gesteigert. Und er weiß: „Einen Heimvorteil gibt es nicht.“

Heinz Gassenmeier, Leiter der Musikschule Ulm, versucht sich in Gelassenheit. „Wir haben fantastisch gespielt, das ist die Hauptsache.“ Der Orchesterwettbewerb sei für Ulm eine tolle Veranstaltung und habe viel Aufmerksamkeit vom Publikum bekommen. „Ganz so, wie wir es erhofft haben.“ Am Donnerstag beginnt die zweite Hälfte der Großveranstaltung, dann treten unter anderem Sinfonieorchester und Big Bands an. Die Region Ulm ist aber nicht mehr vertreten.

Quelle: Augsburger Allgemeine
Autor: Marcus Golling
Datum: 4.5.2016


Standing Ovations für die Junge Bläserphilharmonie Ulm

Das Pflichtstück sehr gut gemeistert und mit „Hymn To The Sun“ das Publikum überwältigt: Die Junge Bläserphilharmonie Ulm liegt top im Rennen.

„Ein bissle mehr!“, tönt’s vom Balkon herunter. Klangcheck im Einsteinsaal. Josef Christ probt mit der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU) auf der Bühne bis zuletzt und feilt auch an der Lautstärke-Balance. Der Dirigent schaut immer wieder auf die Uhr – und nimmt sich noch ein paar Stellen vor.

Am Sonntagmorgen um halb elf startete der 9. Deutsche Orchesterbewerb mit dem Gastgeber. Ein wahres Heimspiel: gut 1100 Zuhörer im CCU, eine knisternde Atmosphäre. Was ist drin? Vor vier Jahren in Hildesheim holte die JBU den 2. Preis unter den Jugendblasorchestern, zu Hause in Ulm sind die Erwartungen aber naturgemäß höher.

Stille jetzt – Christ hebt den Taktstock, und feierlich erklingt Jacob de Haans „Nordic Fanfare“. Hoppla? Übernimmt die JBU jetzt auch gleich noch die olympische Eröffnungshymne des nur alle vier Jahre stattfindenden Orchesterwettbewerbs? Nein, das war noch das unbewertete Einspielstück. Jetzt begrüßt erst mal der Juryvorsitzende Ernst Oestreicher (Bundesdirigent im Nordbayerischen Musikbund) das Publikum und stellt die Kollegen vor – darunter Oberstleutnant Matthias Prock vom Heeresmusikkorps Ulm.

Und los: zunächst das schwere, vertrackte, unangenehme Pflichtstück „Deliverance“ von Etienne Crausaz – die Ulmer kennen es schon, als Beitrag der JBU zum letztjährigen „klangfest@125“ auf dem Münsterplatz. Nervositäten, ein paar Wackler, aber auch gleich hervorragende Soli, etwa der Oboe. Das war am Sonntag auch nicht das übliche Jahreskonzert der JBU im Congress Centrum, das war der Deutsche Orchesterwettbewerb, wenn auch an einem vertrauten Ort. In „Deliverance“ ist alles gefordert: rhythmische Beweglichkeit, Klangbalance, Technik sowieso. Schwer, das auch noch musikalisch auf den Punkt zu bringen. Die JBU befreite sich zunehmend vom Erwartungsdruck und meisterte die Sache bravourös. Großer Jubel, eigentlich ungewöhnlich im Wettbewerb, schon nach dem Pflichtstück.

Quelle: Südwest Presse Ulm
Autor: Jürgen Kanold
Datum: 02.05.2016


Die Junge Bläserphilharmonie gibt gerade ihr Konzert beim Orchesterwettbewerb im #CCU. #Ulm #DOW pic.twitter.com/bIsfI2aP9V

Dann die Kür. Josef Christ hatte mit „Hymn To The Sun“ von Satoshi Yagisawa ein so technisch anspruchsvolles wie spektakuläres Stück vortrefflich ausgewählt. Herrlichen Stimmungen, eine hymnische Melodie und deftige Attacke – und sogar eine Gesangseinlage des Orchesters. Da spielte sich die JBU zunehmend in einen Rausch hinein. Alle Register: ausgezeichnet. Das ist ein Stück, das überwältigt. Und die JBU tat das mit Wucht. Standing Ovations im Saal.

Und der Dirigent? Josef Christ hatte Minuten nach dem Vorspiel noch Gänsehaut und sagte zur SÜDWEST PRESSE: „Ich bin sehr zufrieden, wir haben sehr perfekt gespielt, das Orchester hat alles gut umgesetzt – und auch die Emotionen: toll!“ Dann sah Christ einem „spannenden Tag“ entgegen. Was macht die Konkurrenz? Wobei in der Kategorie Jugendblasorchester (B2) am Montag noch der Wettbewerb weitergeht, die Jury aber erst am Dienstag die Ergebnisse verkündet.

War es nun ein Heimvorteil für die JBU? „Außer dass ich weiß, wo sich im CCU der Künstlereingang und der Lastenaufzug fürs Schlagzeug befindet, müssen alle Orchester auf der Bühne zeigen, was sie können“, sagte Christ. Die JBU jedenfalls hat es sehr überzeugend getan und liegt bestens im Rennen.

Quelle: Südwest Presse online (@SWPde)
Datum: 01.05.2016


Junge Bläserphilharmonie bestätigt Vorstand

Die Junge Blaeserphilharmonie Ulm bestätigt Vorstand.
Foto: Volkmar Könneke

Ständiger Wechsel in den Orchesterreihen, große Beständigkeit in der eben wieder gewählten Vereinsführung: Merkmale der Jungen Bläserphilharmonie.

Das Wesen des Jugendorchesters ist es, dass es sich dauernd erneuert. Jahr für Jahr müssen ausscheidende, erwachsen werdende junge Menschen ersetzt werden. Bei der Jungen Bläserphilharmonie Ulm (JBU) ist das nicht anders. Rein rechnerisch steht Dirigent Josef Christ alle fünf Jahre vor einer neuen Orchesterbesetzung. Dass immer wieder guter Nachwuchs rekrutiert werden kann, sei nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit mit der Musikschule, deren Chef Heinz Gassenmeier (Vorsitzender Michael Leibinger: „Ein Gewinn für Ulm“) und den Musikschul-Lehrern zu danken.

In der Führung des JBU-Trägervereins herrscht hingegen Kontinuität. In den 55 Jahren ihres Bestehens ist die JBU, die 1961 als Ulmer Knabenmusik gegründet worden ist, mit zwei Vorsitzenden ausgekommen: mit dem vor zwei Jahren verstorbenen Udo Botzenhart einerseits und mit Michael Leibinger, der ihm vor zwei Jahrzehnten im JBU-Vorsitz gefolgt ist, andererseits. Leibinger ist auf der Hauptversammlung wie sein bereits mehr als doppelt so lange amtierender Vize Michael Bösl ebenso ohne Gegenstimme im Amt bestätigt worden wie der dritte Vorsitzende Hans-Uli Thierer.

Die JBU ist zwar integriert in die Musikschule der Stadt Ulm. Getragen wird das Jugendorchester allerdings vom eingetragenen Verein. Dessen Vorstand und Ausschuss – 22 Personen – sorgen dafür, dass Konzerte reibungslos über die Bühne gehen, organisieren das Jahresprogramm und betreuen Konzertreisen. Wie Mitte Mai nach Rom. Die deutsche Botschafterin am Vatikan, Annette Schavan, hat dort ein Konzert ermöglicht, teilt der Verein mit. Als Veranstalter des Kirchenkonzerts, das gemeinsam mit dem Coro Polifonico „Città di Subiaco“ bestritten wird, tritt die Botschaft auf.

Die JBU stehe auf einem soliden, über Jahre hinweg aufgebauten finanziellen Fundament, berichtete Vize Michael Bösl. Nur dadurch sei es möglich, auch große Reisen wie die 2014 nach China in einem für die Eltern finanziell erträglichen Rahmen zu halten. Die zweieinhalb Wochen in Fernost mit einem halben Dutzend Auftritten in besten Konzertsälen kosteten 1200 Euro pro Musiker.

Zuerst gilt es jetzt aber, beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Ulm zu bestehen. Die JBU, die bei den Jugendblasorchestern 2008 in Wuppertal gewonnen hat, tritt zum Wettbewerb am 1. Mai, 10.30 Uhr, im Congress Centrum an.

Quelle: Südwest-Presse Ulm
Autor: unbekannt
Datum: 26.04.2016


Orchesterwettbewerb: Sonnige Aussichten für die Junge Bläserphilharmonie

Zum vierten Mal nimmt die Junge Bläserphilharmonie Ulm an einem Deutschen Orchesterwettbewerb teil, und beim Heimspiel in Ulm sind die Erwartungen natürlich hoch. Ein Gespräch mit Dirigent Josef Christ.

Strahlende Gesichter nach dem Wertungsspiel in Wuppertal: 2008 holte Josef Christ mit seinem Orchester (rechts Schlagzeuger Oliver Schmidt) die Deutsche Meisterschaft.

Die Sonne ging schon beim Weihnachtskonzert auf. „Hymn To The Sun – With The Beat Of Mother Earth“ heißt ein Prachtstück für sinfonisches Blasorchester des Japaners Satoshi Yagisawa, mit dem die Junge Bläserphilharmonie Ulm (JBU) die Pauluskirche zum Beben brachte. Aber am 1. Mai sollen die Gesichter der Juroren des nur alle vier Jahre stattfindenden Deutschen Orchesterwettbewerbs strahlen, dann treten die jungen Musikerinnen und Musiker im Congress Centrum an: „Hymn To The Sun“ hat Dirigent Josef Christ für die Kür im 20-minütigen Programm ausgewählt, „Deliverance“ von Etienne Crausaz spielen sie als Pflichtstück.

„Jetzt beginnt der Endspurt“, sagt Josef Christ. Am Sonntag steht ein „Try-Out“ an, wie man neudeutsch auch unter Musikern zu einem öffentlichen Probetraining sagt. Dann ist der Konzertsaal der Musikschule zudem mit Mikrofonen bestückt, dank einer Tonaufnahme kann der Dirigent hinterher den Klang in Ruhe überprüfen. Überhaupt sind jetzt die Details gefragt. Und da überlässt der perfektionistische wie ehrgeizige Josef Christ nichts dem Zufall. Dabei sein ist alles? Nach dem olympischen Prinzip treten die Ulmer nicht an. Natürlich nicht, bei dieser Vorgeschichte: 2004 ein 3. Platz in Osnabrück, 2012 ein 2. Platz beim Bundesfinale in Hildesheim, und 2008 in Wuppertal belegte die Junge Bläserphilharmonie (damals noch als Ulmer Knabenmusik) sogar den 1. Platz und war damit Deutscher Meister unter den Jugendblasorchestern.

Da ist eine stolze Bilanz, die Qualität des Orchesters muss freilich immer wieder neu erarbeitet werden. Und die Generationswechsel kommen immer schneller im Zeitalter des G8-Abiturs. Viele Mitglieder verlassen das Orchester schon mit 17. „Die durchschnittliche Verweildauer in der JBU beträgt fünf Jahre“, sagt Josef Christ.

Im Januar 2015 hatte der Dirigent die Vorbereitungen auf den Deutschen Orchesterwettbewerb gestartet, mit den Proben des Pflichtstücks „Deliverance“. Im Mai dann siegte die JBU im baden-württembergischen Vorentscheid in Karlsruhe und qualifizierte sich fürs Bundesfinale – aber im Herbst vergangenen Jahres verabschiedeten sich 15 Instrumentalisten, und zwölf junge Talente rückten nach. In einem Orchester mit Erwachsenen könne man langfristig Ziele abstecken und sagen: „In zwei Jahren sind wir reif für dieses Stück. Diese Zeit habe wir im Jugendbereich nicht.“

Christ hatte nach den Sommerferien das Selbstwahlstück ausgetauscht, um die neuen Kräfte besser miteinzubeziehen, auch um das ganze Orchester neu zu motivieren. Mit „Fantasy Tales“ war die JBU in Karlsruhe erfolgreich gewesen, beim Bundesfinale wollen sie mit „Hymn To The Sun“ noch eins draufsetzen. „Furios, lyrisch, richtig schwer“, sei dieses Werk des Japaners Yagisawa. „Wahnsinnig viel Zeit“ und auch schlaflose Nächte habe ihn die Wahl des Stücks gekostet, sagt Christ: „Ist das Werk zu leicht, sind die Musiker unterfordert, ist es zu schwer, sind sie überfordert. Das Orchester muss es souverän spielen, nur ,grad so‘ geht nicht, dann hätte ich etwas falsch gemacht.“ Ja, und wer gewinnen will, muss natürlich auch auf ein Programm mit Höchstschwierigkeiten setzen – das ist wie im Sport.

Josef Christ ist guter Dinge, es läuft, die Musiker, mit denen er mindestens zwei Mal die Woche probt und die auch von ihren Instrumentallehrern in der Musikschule trainiert werden, seien mit Energie dabei. „Wettbewerbe haben etwas Gutes“, meint der Dirigent: „Die musikalische Gestaltung, die technische Perfektion, die Ausdruckskraft – bei diesen intensiven Proben hat man die Chance, mal ganz in die Tiefe zu gehen.“ Und es mache auch einfach Spaß, „trotz Drucksituation“.

Aber darüber, wie gut die 71-köpfige JBU am 1. Mai spielt, entscheidet die Jury – 25 ist die Höchstpunktzahl. „Ich kann nur das Orchester so gut wie möglich vorbereiten, damit wir uns dann im Wettbewerb auch so gut wie möglich fühlen“, meint Josef Christ mit Zuversicht. Dass über Jury-Entscheidungen diskutiert werden kann, ist klar. Aber Christ sagt lachend: „Wenn man gewinnt, hat man immer die beste Jury gehabt.“

Tja, und dann kommt’s auch auf die Havixbecker an. Mit dem Jugendorchester aus der Nähe von Münster liefert sich die JBU seit Jahren ein Duell, mal liegen die Westfalen vorne, mal die Ulmer. Aber mit „Hymn To The Sun“ hoffen diese natürlich auf ein sonniges Happy End.

Quelle: Südwest-Presse Ulm
Autor: Jürgen Kanold
Datum: 16.04.2016


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